Transparente, innerbetriebliche Logistik – Warum eigentlich nicht?

von Luisa Walendy

Datenbrillen, autonome Transportroboter und andere digitale Technologien finden vermehrt Einzug in die Produktion und Logistik. Vor allem die Automobilbranche ist hier oft mit schnellen Schritten in Richtung Logistik 4.0 unterwegs. Denn damit die Autos zur richtigen Zeit fahrbereit sind, müssen Millionen Teile minutengenau in die Produktion geliefert werden. 

Deshalb möchte sich der Automobilkonzern Audi beispielsweise bald von der Fließbandfertigung verabschieden. In Zukunft sollen die Karosserien bereits in der Fabrik digital vernetzt und autonom unterwegs sein. Selbstfahrend sollen sie dann ihren Weg durch die modularen Montageinseln finden. Auf diese Weise sollen Kosten und Zeit gespart werden.

Wenn solche zukunftsweisenden Technologien eingeführt werden, sind die Prozesse in der Produktion und Logistik meist schon weitestgehend digitalisiert. Die meisten Prozesse sind bereits durchgängig einseh- und nachverfolgbar. Ein gutes Beispiel, wo diese Transparenz in der Logistik aber häufig noch fehlt, ist die innerbetriebliche Logistik. Die wenigsten Verantwortlichen in diesem Bereich der Logistik wissen, wo sich welches Material für die Produktion zum aktuellen Zeitpunkt genau befindet. Die Digitalisierung könnte hier Transparenz schaffen. Doch eine Umfrage des Logistikdienstleisters Hermes belegt, dass zwar bereits 46 Prozent der befragten Unternehmen die Auswirkungen der digitalen Vernetzung und Automatisierung innerhalb ihrer Wertschöpfungskette spüren, jedoch 42 Prozent ihre Supply Chain an vielen Stellen noch für undurchsichtig halten. 76 Prozent der Firmen sehen aber genau in der steigenden Transparenz die meisten Chancen für die Logistik 4.0.

Warum herrscht so hohe Intransparenz in der innerbetrieblichen Logistik?

Häufig finden die internen Transporte im Werk ohne eine zentrale Steuerung und nach Sicht und Anruf statt. Natürlich bleibt hier die Transparenz auf der Strecke. Und damit eine Übersicht über die Materialbewegungen im Werk. Durch diese Intransparenz wird eine schnelle und angemessene Reaktion auf ungeplante Transportaufforderungen unmöglich. Denn die Planung kann dementsprechend nicht flexibel reagieren und das Material wird zu spät an die Produktion geliefert. Zusätzlich entstehen viele unnötige Leerfahrten und generelle Ineffizienz.

Moderne Transportleitsysteme sollen daher sicherstellen, dass alle Transporte dynamisch in Echtzeit geplant werden und jederzeit ersichtlich ist, wo sich welcher Transportauftrag befindet. Daraus resultieren dann verkürzte Durchlaufzeiten, eine optimierte Ressourcenauslastung und reduzierte Fahrstrecken, die wiederum die Termintreue wesentlich verbessern. Die Produktion hat keine Beschwerden mehr und verspätete Kundenaufträge fallen nicht mehr zu Lasten der innerbetrieblichen Logistik.  

Ein Transportleitsystem lohnt sich – auch für wenige Stapler

Das klingt erstmal gut in den Ohren eines Logistikers. Dennoch lohnen sich die Investitionen in ein Transportleitsystem und der Aufwand für dessen Implementierung gerade für Unternehmen mit wenigen Transporten und Transportmitteln nicht immer. Auch bei einer eher schwankenden Zahl von Transportaufträgen werden Aufwand und Kosten eines solchen IT-Projektes eher kritisch gesehen. So sieht zumindest der erste Impuls mancher Unternehmen aus. Allerdings muss man noch lange kein Automobilhersteller sein, um seine Produktion und Logistik sinnvoll zu digitalisieren und dadurch transparent zu machen. Auch Firmen mit wenigen Transportaufträgen können Cloud-Lösungen nutzen, um hohe Investitionskosten und lange Projekte zu vermeiden. Denn diese Anwendungen kommen ohne die Einrichtung von Servern oder Funkstationen aus. Und auch bei zwischenzeitlichen Spitzen lassen sich Cloud-Lösungen flexibel skalieren.

Fazit

Intransparenz in Supply Chains ist ein Problem. In logistischen Prozessen wie der internen Logistik fehlt häufig der Überblick über den Status der aktuellen Aufträge. Transportleitsysteme helfen, diesen Überblick über die aktuelle Transportsituation zurückzugewinnen. Dazu werden Informationen zu Transportaufträgen, Terminen, Status und Auslastung zentral gespeichert und sind somit orts- und zeitunabhängig einsehbar. Folglich wird die Reaktionsfähigkeit in der innerbetrieblichen Logistik in Bezug auf unerwartete Ereignisse in Produktion und Logistik erhöht. Leerfahrten, Durchlaufzeiten können minimiert und die Ressourcenauslastung maximiert werden. Gerade kleinere Unternehmen mit wenigen Transportmitteln können mit Cloud-Lösungen einen sinnvollen Weg finden, ihre innerbetriebliche Logistik und Produktion zu verbessern. Logistik 4.0 besteht eben nicht ausschließlich aus autonomen Robotern und Fahrzeugen oder realitätserweiternden Datenbrillen.

Wie optimieren Sie Ihre innerbetrieblichen Transporte und Materialflüsse? Arbeiten Sie bereits mit Technologie oder fahren Sie noch „auf Zuruf“?

 

 



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Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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