Vertrauen ist gut, Produktionscontrolling ist besser

von Stipo Nad

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Diesen Ratschlag hört man häufig, wenn man eine Entscheidung nochmal vorsichtshalber überprüfen sollte, anstatt sich blind auf ein Gefühl zu verlassen. Gerade in betriebswirtschaftlichen Bereichen ist dieser Rat zu beherzigen.

Denn es gibt viele Arbeitsabläufe, bei denen Controlling als Steuerungsfunktion dazu beiträgt, die Potenziale eines Unternehmens insgesamt besser auszuschöpfen. So sollte das Controlling beispielsweise auch eine ergebnisorientierte Planung in Industrieunternehmen sicherstellen. Zielgerichtete Analysen zeigen hier Potenziale auf, können aber ebenso als Warnfunktion zur Minderung von Risiken dienen. Eine Branche, in der sich das Controlling von Produktionsprozessen als besonders wertvolle Maßnahme zur Effizienzsteigerung gezeigt hat, ist der Maschinen- und Anlagenbau.

Die Informationen, die in der Produktion verarbeitet und geprüft werden sollen, nehmen tagtäglich zu. Dementsprechend steigt auch das Angebot an Softwarelösungen, die diese Informationsmasse, also Big Data, verarbeiten können. Ausschlaggebend für ein Produktionscontrolling-Instrument ist vor allem eine simple Nutzung und Zweckmäßigkeit. Kundenspezifische Fertigungsprozesse und der Variantenreichtum fordern außerdem höchste Präzision der Daten. Mit diesen Leistungen erfüllt eine Lösung für das Produktionscontrolling jedoch nur die Mindestanforderungen. In einer traditionellen Branche wie dem Maschinen- und Anlagenbau dürfen für ein nutzenbringendes Controlling als Basis unternehmerischer Entscheidungen – abgesehen von einer schnellen Datenverarbeitung - vier Dinge keineswegs fehlen:

1) Beratung und Konzeption

Deutsche Maschinen- und Anlagenbauer stellen sehr individuelle Produkte her, deren Produktionsabläufe mindestens genauso individuell sind. Die Koordination von Zukaufteilen und Eigenproduktion sowie deren genau aufeinander abgestimmte Montage kann in Kombination mit Maschinenwartungen und Mitarbeiterausfällen zu einer unlösbaren Aufgabe werden. Ein gutes Produktionscontrolling-Tool sollte daher an die individuellen Ansprüche der jeweiligen Produktion angepasst sein. Nicht jedes Unternehmen greift im Controlling auf dieselben Informationen zurück und nicht jeder Produktionsleiter verfolgt dieselben Ziele. Welche Daten, wer, wann und in welcher Aufbereitung benötigt, kann je nach Unternehmen, Prozess und Produkt sehr unterschiedlich sein.

Zudem weiß der ein oder andere Maschinenbauer ohne fachspezifische Beratung oft noch nicht, welche Möglichkeiten immer modernere und intelligentere Software in der Datenanalyse bietet und welche davon er erfolgsbringend nutzen sollte. Deshalb sollten auch die Anwender durch Know-how, Workshops und Beratung unterstützt werden. So können Zielsetzungen bestmöglich definiert und Datenverfügbarkeiten und Informationsgehalt sowie bestehendes Berichtswesen analysiert werden. Die Bestimmung der Key Performance Indicators (KPIs) ist an dieser Stelle besonders wichtig, da sie bedarfsgerecht mit dem Unternehmen abgestimmt und zielgruppenorientiert visualisiert werden sollten.

2) Nutzbarkeit

Produktionscontrolling-Tools sind technisch sehr umfassend – etliche Daten und deren Zusammenhänge werden in kürzester Zeit analysiert. Dennoch sollte der Endanwender diese Komplexität nicht in der Anwendung spüren: Die intuitive Nutzung ist eine Grundvoraussetzung für die effiziente Anwendung in der Produktionsplanung. Die Lösung sollte daher so aufgebaut sein, dass Fachanwender unabhängig von der IT-Abteilung Analysen oder Reports schnell und unkompliziert erstellen können. Durch diese Selbstständigkeit lässt sich außerdem wichtige Zeit einsparen, die der Verantwortliche dann für die Weiterentwicklung anderer Arbeitsschritte und strategische Aufgaben nutzen kann.

3) Monitoring

Natürlich sollten Produktionscontrolling-Werkzeuge auch in der Lage sein, die gewünschten Daten und Zusammenhänge so darzustellen, dass sie vom Anwender problemlos gelesen und richtig interpretiert werden können. Hier spielen Branchen-Know-how und ein gutes Dashboard-Design eine wichtige Rolle. Dashboards, Cockpits und Statistiken sollten leicht auf die individuellen Wünsche angepasst werden können und einen direkten Überblick über alle relevanten Kennzahlen geben. KPIs und Business Analytics sollten auf die Bedürfnisse des Fertigungsplaners zugeschnitten sein und Cockpits den einzelnen Funktionsbereichen dienen: Denn ein Lagerleiter benötigt andere Kennzahlen als ein Montage- oder Vertriebsleiter.

4) Reporting

Genau wie das Monitoring, sollte auch das Reporting zur gängigen Praxis in produzierenden Unternehmen werden. Ein systematisches Berichtswesen und das zielgerichtete Arbeiten mit intelligenten Analysen bieten hohes Potential. Multidimensionale Reportings dienen dem Management als verlässliche Entscheidungsbasis für eine strategische Unternehmensentwicklung.

Damit das Reporting hier nicht nur einseitig je Abteilung betrachtet wird, sind bereichsübergreifende Analysen wichtig. Durch ein Zusammenspiel von Kennzahlen aus verschiedenen Bereichen wie Produktionssteuerung, Beschaffung, Disposition oder Vertrieb können bestmögliche Analysen über Wertschöpfungsprozesse gegeben werden. Erst durch eine unternehmensweite Vernetzung des Reportings (oder im besten Fall sogar über die Unternehmensgrenzen hinaus, mit Lieferanten, Partnern und Kunden) kann das maximale Potenzial des Produktionscontrollings ausgeschöpft werden und abteilungsübergreifende Auswirkungen werden frühzeitig deutlich.

Fazit

Softwarelösungen für das Produktionscontrolling werden mit der steigenden Bedeutung von Daten immer wichtiger, aber auch zahlreicher. Viele Lösungen verwalten die Daten jedoch nur. Für eine lohnenswerte Investition sollte man daher über die gängigen Funktionalitäten der reinen Datenverarbeitung hinausschauen und gerade im Maschinen- und Anlagenbau darauf achten, dass in einer intelligenten Controlling-Software Nutzerfreundlichkeit, branchenspezifisches Consulting sowie Monitoring und Reporting den Ansprüchen des Unternehmens entsprechen. Dann können Sie der Kontrolle des Systems auch vertrauen.

Setzen Sie bereits Produktionscontrolling-Systeme ein?

 

 



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Über den Autor

  • Stipo Nad

    Stipo Nad ist seit 2001 bei der INFORM GmbH tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themenschwerpunkten Advanced Planning & Scheduling, Produktionsplanung sowie Business Intelligence.

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