Viva Mexiko – auch in der Automobilbranche!

von Luisa Walendy

Wenn ich an Mexiko denke, fallen mir schöne Strände, Sombreros und Maya-Ruinen ein. Doch für die Industrie - vor allem die Automobilbranche - erzeugt das Land ganz andere Assoziationen: niedrige Löhne sowie zahlreiche Freihandelsabkommen - und damit geringe Zölle. So kommt es auch, dass sich diverse Autohersteller in den vergangenen Jahren für Mexiko als Produktionsstandort entschieden haben. Außerdem lassen sich von dort aus Fahrzeuge schnell und kostengünstig in die Vereinigten Staaten liefern.

So soll jetzt auch der Autohersteller Ford ein Werk am neuen Branchen-Lieblingsort planen. Und dafür sollen 1,5 Milliarden US-Dollar investiert werden. Doch es lohnt sich. Denn der Autoproduzent möchte am neuen mexikanischen Standort voraussichtlich jährlich 350.000 Fahrzeuge bauen. Auch der deutsche Autohersteller VW liefert jährlich etwa 500.000 Fahrzeuge von Mexiko aus zu europäischen, nord- und südamerikanischen Händlern. Um den Standort möglichst effizient und wirtschaftlich nutzen zu können, setzt VW am mexikanischen Standort Puebla zusätzlich intelligente Systeme ein, die sämtliche Prozesse im Yard und alle Transportstufen zentral organisieren. Auf diese Weise realisiert der Autohersteller seine Vorstellung eines integrativen Ansatzes zur Fahrzeugdistribution in Mexiko.

Täglich etwa 1700 produzierte Autos ins Yard übergeben

Denn eine weltumspannende Logistikkette ist eine komplexe Aufgabe. Sowohl die Produktion als auch der anschließende Versand der Autos ist geprägt von der Forderung nach einer möglichst kurzen Laufzeit zwischen Bestellung und Auslieferung eines Neuwagens. Um dieser Forderung gerecht zu werden, benötigen Autoproduzenten eine optimale Planung. Mit intelligenten Softwarelösungen kann sowohl die Lagerung als auch das Verladen der Autos am Autoterminal gesteuert werden. Neben den internationalen Routen werden außerdem alle Transporte innerhalb Mexikos koordiniert. Dazu zählen neben Fahrten zu mexikanischen Händlern auch die Transporte zu den Häfen Veracruz und Acapulco, von wo aus die Fahrzeuge weltweit verschifft werden.

Komplex wird die Planung schon allein durch die Anzahl der Stellplätze und Autos: Allein der Yard neben den Produktionshallen in Puebla verfügt über 11.500 Stellplätze, hinzukommen etwa 20.000 Plätze externer Yards, die in der Regel ständig belegt sind. Dafür sorgen nicht nur die täglich etwa 1.700 Autos, die von der Produktion in Puebla direkt ins Yard übergeben werden. Dazu kommen noch pro Tag etwa 600 per Schiff eintreffende importierte Fahrzeuge, die aus den weltweiten Produktionsstandorten von VW kommen und von Mexiko aus weiter an ihren Bestimmungsort geleitet werden.

Eine Lösung für alle Prozesse

Das alles klingt so komplex wie es tatsächlich auch ist. Dennoch sind auch solche Vorgänge beherrschbar. Moderne Softwarelösungen ermöglichen, alle Prozesse im Yard und gleichzeitig alle Transportstufen transparent in einem System abzubilden. Denn um nicht täglich zeitaufwendig über die Verteilung der Stellplätze nachdenken zu müssen, ist ein reibungsloser Abtransport der Fahrzeuge entscheidend für den gesamten logistischen Prozess. Das System erhält die Daten für die Planung vom zentralen System des Autobauers, das weltweit die gesamte Supply Chain und die globalen Transportrouten für die Fahrzeuge verwaltet. Darauf aufbauend organisiert, automatisiert und synchronisiert die Software alle Prozesse und schafft die notwendige Transparenz.

Im alltäglichen Ablauf sieht das so aus: Etwa drei bis vier Stunden bevor die Wagen das Ende der Produktion erreichen, übermittelt das zentrale System alle wichtigen Daten wie Bestimmungsort, Liefertermin oder Modell des Autos an das System. So ist die Planung bereits abgeschlossen, wenn das Auto am letzten Schritt der Produktion angekommen ist. Nach der Inspektion der Wagen kommt das Auto in den Yard. Hier wird es zunächst zwischengelagert, und zwar an einem möglichst optimalen Stellplatz, den das System unter Berücksichtigung von Zielort, Transporttermin und -mittel geplant hat. Die Transportrouten werden für jedes Fahrzeug hinsichtlich des Stellplatzes nach Effizienz-Gesichtspunkten berechnet, um eine termingerechte Auslieferung sicherzustellen. Effizient heißt hier, dass die Transportroute möglichst kurz und die Auslastung des Transportmittels möglichst hoch sein sollte. Zusätzlich sollte die Route so geplant sein, dass jeder Auslieferort nur einmal angefahren werden muss. Auch die Import-Transporte werden gezielt in die Planung miteinbezogen.

Die Echtzeit-Planung bezieht außerdem die Speditionen mit ein, die für die Lkw-Transporte verantwortlich sind. Online können diese ihre jeweiligen Touren einsehen und so zur entsprechenden Zeit ihre Lkw am richtigen Ort zur Beladung bereitstellen. Darüber hinaus können alle am Prozess beteiligten Ressourcen durch die optimale Planung effizienter genutzt werden, was neben einer Reduzierung der Durchlaufzeiten auch zu erheblichen Kosteneinsparungen führt.

Fazit

Durch das integrative System können alle Prozesse - Yard Management, Transport Management und Netzwerkplanung - synchronisiert und transparent gesteuert werden. Auch wenn sich Ford noch nicht dazu geäußert hat, ob das Unternehmen nun tatsächlich nach Mittelamerika expandiert: Mexiko ist und bleibt ein lukrativer Standort für die Autoproduktion. Von dem mittelamerikanischen Land aus lassen sich die Fahrzeuge schnell und kostengünstig ausliefern. Intelligente Systeme können helfen, weltweite Logistikprozesse in der Automobilbranche noch optimaler zu gestalten. In diesem Sinne: Viva optimierte Neuwagenlogistik in Mexiko!

Welche Potenziale sehen Sie für globale Prozesse in der Neuwagenlogistik?



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Über die Autorin

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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