Voran mit Vorsatz!

von Evi Hartmann

Die guten Vorsätze der Supply Chain Manager

„Gehen Sie mir weg mit guten Vorsätzen!“, knurrt die Supply Chain Managerin. Sie managt bei einer großen Filialkette und meint: „Ist doch jedes Jahr dasselbe! Vor Weihnachten müssen wir uns ranhalten, damit wir die Läger füllen und nach Weihnachten ertrinken wir in den Retouren! Ich habe keine Zeit für gute Vorsätze zum neuen Jahr. Ich bin froh, wenn ich nicht in der Tageshektik untergehe!“ Ach ja?

Dann wäre das doch schon ein schöner guter Vorsatz: „Im neuen Jahr lasse ich mich nicht mehr derart von der operativen Hektik vereinnahmen!“ Ein anderer wäre: „Und zwar dergestalt, dass ich mir jede Woche eine Stunde reserviere, um über Workload Management, Delegation, Kapazitätserweiterung, Strategic Supply Chain Management und über andere strategischen Aspekte meiner Arbeit nachzudenken.“ Ein Luxus-Vorsatz?

Eher eine bittere Notwendigkeit. Nur wer die Zukunft denkt, kriegt sie geschenkt. Und wenn wir gerade dabei sind: Zum Strategischen gehört die Nachhaltigkeit und zur Nachhaltigkeit zählt auch die soziale Nachhaltigkeit: Moral Supply Chain Management. Gretchen-Frage: Wie halten Sie’s mit der Moral im neuen Jahr?

Gut versorgt mit Audits, Zertifikaten? Ehrlichen oder Placebo-Zertifikaten? Ein guter Vorsatz könnte sich ehrlichere, bessere Audits zum Ziel nehmen. BMW zum Beispiel hat diesen Vorsatz schon gefasst und auch gleich umgesetzt. Die Münchner sagen ihren Lieferanten seit einiger Zeit klipp und   klar: „Ihr müsst nicht nur technisch, terminlich und von den Kosten her einwandfrei liefern, sondern auch nachhaltig tadellos. Wer das nicht schafft oder nicht so genau nimmt, begeht ab sofort kein Kavaliersdelikt mehr, sondern wird ausgelistet.“ Das ist konsequent und ebenfalls ein guter Vorsatz: Mehr Konsequenz bei Nachhaltigkeit und Moral. Auch und gerade im Umgang mit der eigenen Supply Chain. Das wird aber stressig? Und haben wir nicht alle schon Stress genug?

Natürlich. Wer nicht? Deshalb lautet ein weiterer möglicher, nötiger, dringend gebotener Vorsatz vor allem angesichts der immer weiter grassierenden Burnout-Epidemie: Mit mir nicht! Der Stress im Job nimmt auf diesen Vorsatz aber keine Rücksicht? Genau das ist der Punkt. Berufsstress, Zeit-, Erfolgs- und Termindruck haben sich in den letzten zehn Jahren gefühlt verdoppelt – unsere Stressresistenz und Resilienz aber nicht. Die haben eher abgenommen. Also wartet der Vorsatz praktisch darauf, gefasst zu werden: „Ich verdopple meine Self Management Skills!“ Wer sollte es sonst für Sie tun?

Diese Frage betrifft vor allem vorgesetzte Supply Chain Manager, Einkaufsleiter und CPOs. Wenn Ihre Mitarbeitenden sich beim Thema Resilienz fragen müssen, wer es sonst für sie tun sollte, hat Ihr betriebliches Health Management eine Lücke, die schlicht nicht mehr zeitgemäß ist. Viele fortschrittliche Unternehmen sagen sich gerade angesichts der dramatisch gestiegenen Stresskosten der letzten Jahre: Ein paar tausend Euro für Health Management, für Stress-Seminare und die Einrichtung einer Resilienz-Kultur sind besser investiert als zehntausende Euro Ausfallkosten für absente, kranke, ausgebrannte oder auch nur innerlich emigrierte Mitarbeitende! Auch ein schöner Vorsatz.

Und wer schon bei den Worten „gute Vorsätze“ zusammenzuckt, dem/der sei gesagt: Solange es noch Druck aufbaut oder ein unangenehmes Gefühl induziert, ist es vielleicht ein Vorsatz, aber kein guter. Gut ist ein Vorsatz nur dann, wenn er Ihnen A) ein gutes Gefühl gibt, weil es ein lohnendes Ziel ist, Ihnen B) ein gutes Gefühl gibt, weil Sie das Ziel realistisch (und nicht überfordernd oder lapidar) angelegt habe und der Ihnen C) ein gutes Gefühl gibt, weil Sie ihn gedanklich oder am besten schriftlich mit konkreten Maßnahmen zu seiner Umsetzung hinterlegt haben.

Damit ist nicht nur garantiert, dass Sie sich wohl damit und dabei fühlen, sondern dass auch – ganz wichtig – Ihr guter Vorsatz nach den ersten beiden Januarwochen nicht längst vergessen ist, sondern nachhaltig wirkt. Diese nachhaltige Wirkung wünsche ich Ihnen und allen Ihren guten Vorsätzen!



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Über den Autor

  • Evi Hartmann

    Evi Hartmann ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Supply Chain Management, an der Universität Erlangen-Nürnberg. Die Mutter von vier Kindern forscht und lehrt an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und ist Mitglied im Netzwerk Generation CEO für Frauen in Führungspositionen. Sie schreibt den Blog "Welt bewegend".

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