Warum ein Eisbär keine Schneegans frisst und was das mit einem Warenlager zutun hat

von Kristina Pelzel

Zunächst einmal könnte eine Schneegans grundsätzlich zur Beute eines Eisbären gehören, denn sie lebt genau wie er am Nordpol und ist somit nicht wie der Pinguin am Südpol schon durch ihren Lebensraum vor dem Raubtier geschützt. Und obwohl der Eisbär das zweitgrößte Landraubtier auf der Erde ist, lässt er die Schneegans links liegen. Die Erklärung dafür ist simpel: Wenn er länger als 12 Sekunden braucht, um die Schneegans zu fangen, verbrennt er mehr Kalorien, als die Beute ihm überhaupt liefern würde. Er wägt also ab: Aufwand gegen Nutzen. Eine große Robbe würde er sich dagegen sicherlich nicht entgehen lassen.

Wie so viele Phänomene aus der Tierwelt, ist auch diese Aufwand-Nutzen-Überlegung des Eisbären auf völlig andere Situationen übertragbar: zum Beispiel auf die ABC-Analyse im Lager zur Unterstützung des Bestandsmanagements. 

Rollenverteilung im Lager

In einem Lager haben wir folgende Situation: Bis zu mehrere tausend verschiedene Artikel in unterschiedlichen Mengen liegen in den Regalen und müssen möglichst gut bewirtschaftet werden. Denn kein Unternehmen kann es sich in der heutigen Zeit leisten, Kapital für ungenutztes Material zu binden, wo es für den Einsatz und den Ausbau technologischer Neuerungen dringend benötigt wird. Das bedeutet in der Konsequenz, dass der Lagerbestand möglichst geringgehalten werden sollte. Schlimmer jedoch als Bestandswerte in die Höhe zu treiben, ist ein schlechter Servicegrad. Die Konkurrenz ist branchenübergreifend unerbittlich und so gilt es neben niedrigen Beständen auch noch die Lieferfähigkeit zu garantieren.

In vielen operativen Situationen und bei den alltäglichen Hürden in Disposition und Einkauf ist dies nicht leicht umzusetzen. Denn unerwartete Großaufträge, ein plötzlicher Ausfall des wichtigsten Lieferanten oder eine defekte Maschine sind keine Seltenheit im Tagesgeschäft und kosten Bestandsverantwortliche wertvolle Zeit.

Wichtig ist also, die Arbeitszeit, die jedem Disponenten, Einkäufer oder Bestandsmanager tagtäglich gegeben ist, nach Maximalprinzip zu nutzen. Und was hat die Analogie bereits gezeigt? Zeit mit Schneegänsen zu „vertrödeln“ ist nicht die richtige Vorgehensweise. Doch wer sind nun die Schneegänse im Lager? Ganz einfach: Es sind die C-Artikel. Die Artikel, die womöglich einen Großteil des gesamten Lagerbestandes ausmachen, aber in Summe einen vergleichsweise geringen Wert besitzen. Im Gegenzug dazu nehmen die A- und gegebenenfalls auch B-Artikel die Position der Robbe ein. Bestandsverantwortliche sollten also als Eisbär in dieser Situation ihre Aufmerksamkeit auf die wenigen Artikel lenken, die den höchsten Anteil am Gesamtwert des Lagerbestands ausmachen (die „fetten Robben“). Denn: Eine verspätete Lieferung eines C-Artikels ist natürlich ärgerlich, bei einem A-Artikel könnte es das Unternehmen aber bereits den Kunden kosten.

Priorisierung für Optimierung

Die Einteilung von Artikeln nach ABC-Kennzeichen kann nach verschieden Kriterien erfolgen: zum Beispiel nach den jeweiligen Deckungsbeiträgen, Abgangswerten, Abgangsmengen, Bestandsmengen oder Bestandswerten. Auch innerhalb einer bestimmten Artikelgruppe ist es oft sinnvoll, eine Unterscheidung nach Wert und Menge zu treffen. Dabei muss der Übergang zwischen A- und B-Artikel sowie B- und C-Artikel individuell bestimmt werden.

Von Bedeutung werden Prioritäten aber erst, wenn sie für die Planung von Beständen intelligent genutzt werden. Bei der Masse an Artikeln ist die manuelle Pflege dieser Kennzahlen und deren Berücksichtigung im Planungsprozess jedoch kaum möglich. Intelligente Planungssysteme klassifizieren Artikel über detaillierte Selektionen automatisiert und integrieren eine ABC-Analyse in die vorhandenen Prozesse. Indem die Informationen automatisch in eine kostenoptimierte Bestellmengenberechnung einfließen und jederzeit transparent sind, können sich die Eisbären auf kritische Auftrags- und Bestellsituationen für die wichtigen Artikel konzentrieren. Sie verschwenden keine Zeit mehr mit Schneegänsen und machen das Bestandsmanagement so insgesamt effektiver.

Mein Tipp für ein kostenoptimiertes Bestandsmanagement lautet also: Artikel klassifizieren und Dispositions- und Verwaltungsaufwand je nach Artikel gegen Nutzen abwägen. Da es für eine gute Balance zwischen Lagerbeständen und guter Servicequalität aber noch viel mehr Tipps gibt, bieten wir ein Webinar zu diesem Thema an: „10 Tipps für ein optimiertes Bestandsmanagement“. Einen kennen Sie ja nun schon – wenn Sie die anderen neun auch wissen möchten, melden Sie sich jetzt kostenfrei an.

 

 



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Über den Autor

  • Kristina Pelzel

    Kristina Pelzel unterstützt im Rahmen ihrer Tätigkeit als Senior Vertriebsbeauftragte der INFORM GmbH Interessenten im Entscheidungsprozess bei der Auswahl für ein intelligentes Optimierungswerkzeug. Die Bereiche Absatzplanung, Bestandsoptimierung und Stichprobeninventur sind ihre Themenschwerpunkte. 

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