Warum man Lieferketten neu denken und Hamsterkäufe vermeiden sollte

von Franziska Inkmann
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In den vergangenen Wochen stellte die Covid-19-Krise die Wirtschaft gehörig auf den Kopf. Viele Unternehmen mussten kurzfristig umdenken, um ihrer Geschäftstätigkeit weiter nachgehen zu können. In den Medien wurden vielerlei Beispiele publik, die den Einfallsreichtum der Betriebe veranschaulichten.

Für ein großes mediales Echo sorgte bereits im April die Nachricht über eine Personalpartnerschaft zwischen McDonald‘s und Aldi, die in diesen außergewöhnlichen Zeiten eine ganz erstaunliche Art der Kooperation geschaffen haben. Unbeschäftigte Mitarbeiter der Fastfood-Kette wechselten temporär zum Lebensmitteldiscounter, der auf zusätzliches Personal in den Filialen und der Logistik angewiesen war.

In der Krise zeigten sich die Unternehmen aber nicht nur erfinderisch, sondern vor allem auch solidarisch. Firmen, wie das Kölner Traditionsunternehmen Klosterfrau Healthcare Group oder der Aachener Anbieter von Premium-Kosmetik Dr. BABOR rüsteten kurzerhand ihre Produktionsanlagen auf die Herstellung von Handdesinfektionsmitteln um, um einer Ressourcenknappheit entgegenzuwirken und systemrelevante Berufsgruppen und Privathaushalte mit der virentötenden Flüssigkeit versorgen zu können.

Sharing is Caring: Lieferwege neu gedacht

Da die Folgen der Corona-Epidemie aber nicht nur die menschliche Arbeit, sondern auch die Lieferketten zahlreicher Unternehmen aus Industrie und Handel beeinträchtigen und es nach wie vor zu Lieferverzögerungen und -ausfällen von Zuliefer- und Ersatzteilen kommt, haben auch wir uns die Frage gestellt, welche Unterstützung wir als Optimierungsspezialist betroffenen Firmen anbieten können. Dabei entstand das Konzept zu LOGERMO, eine Art virtuelles Zentrallager, auf dem sich Unternehmen bei Materialengpässen zukünftig schnell, unkompliziert und vor allem gegenseitig aushelfen können. Die Plattform führt vorhandene Lagerbestände und dringend benötigte Artikel und Materialien transparent zusammen und stellt den Kontakt zwischen Anbieter und Nachfrager her, sodass Materialengpässe bzw. Überbestände durch eine schnelle und unkomplizierte Kollaboration zweier Unternehmen behoben werden können. Man tauscht sich einfach aus.

Jede fünfte Firma von Lieferausfällen betroffen

Dass Lieferwege neu gedacht werden müssen, zeigt auch die zweite, Mitte April veröffentlichte Studie des BME (Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.). Hierzu wurden Mitglieder des Verbandes zu den gegenwärtigen Auswirkungen der Coronakrise befragt. Die Ergebnisse zeigen: 63 Prozent der befragten Einkäufer kämpfen mit Lieferverzögerungen. Im Vergleich zu den Ergebnissen der ersten Umfrage Anfang April sei dieser Wert zwar um sieben Prozentpunkte gesunken, allerdings geht aus der Studie ebenfalls hervor, dass inzwischen jede fünfte Firma von Lieferausfällen betroffen ist und wichtige Produktionsketten durch den Ausfall von Vorprodukten aufreißen könnten. Laut Judith Richard, Referentin der Fachgruppe „Lieferantenmanagement“ des BME, sei ebenso auffällig, dass „inzwischen 28 Prozent der Einkaufsorganisationen sogenannte Back-up-Lieferanten aktiviert haben, um die Materialversorgung sicherzustellen.“.

Lässt die Krise Unternehmen künftig hamstern?

Insbesondere Unternehmen mit globalen Lieferketten sind von Ausfällen, Engpässen sowie Verspätungen innerhalb ihrer Lieferketten betroffen. In der erst kürzlich veröffentlichten, internationalen Studie „Neustart nach dem Shutdown 2020“ der Unternehmensberatung Staufen AG sprechen sich 40 Prozent der befragten Teilnehmer gegen ein schnelles Wiederanlaufen ihres Unternehmens aufgrund ausbleibender Teile/ Materialien von externen Zulieferern aus. Um diesen Versorgungsengpässen entgegenzuwirken, sehen 36 Prozent den Aufbau von Lagerbeständen als eine grundsätzliche Maßnahme zur Optimierung der Lieferkette.

Die Unternehmen gehen demnach davon aus, dass ein höherer Lagerbestand zu einer verbesserten Versorgungssicherheit führt. Was erst einmal logisch klingt, ist aber nicht unbedingt zielführend. Ein reiner Bestandsaufbau ist in der heutigen Zeit keine adäquate Strategie, denn viele Unternehmen leiden derzeit bereits stark unter finanziellen Einbußen. Darüber hinaus binden Bestände viel Kapital, beispielsweise auch für den benötigten Lagerplatz. Vielmehr kommt es also darauf an, Bestände intelligent zu optimieren und nachhaltig zu managen. Denn Bestände können durchaus signifikant reduziert werden, ohne, dass dies zu Lasten der Materialverfügbarkeit geht.

Unterstützen können hierbei Optimierungssysteme, die als Add-on zu bestehenden Warenwirtschaftssystemen fungieren: So liefert zum Beispiel die Software ADD*ONE präzise Prognosen sowie kostenoptimierte Bestellmengen- und Bestellzeitenvorschläge. Das Ergebnis sind reduzierte Bestände bei maximaler Verfügbarkeit und ein erheblich reduzierter Dispositionsaufwand.

Eines ist klar: Keine Optimierungssoftware der Welt kann eine Krise wie die Covid-19-Pandemie prognostizieren. Sie kann jedoch dabei helfen, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen und sie hilft Unternehmen dabei, mit gebündelten Kapazitäten zu agieren statt zu reagieren und gestärkt aus Krisenzeiten hervorzugehen.

Was ist Ihre Strategie? Gehören Sie zu den Unternehmen, die lieber „hamstern“ oder setzen Sie bereits auf ein intelligentes Add-on-System, um eine reibungslose Versorgung bei gleichzeitig minimalen Beständen zu gewährleisten?



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Über den Autor

  • Franziska Inkmann

    Franziska Inkmann arbeitet seit 2011 als Marketing Managerin bei INFORM und beschäftigt sich mit Trends und Themen rund um die Optimierung von Supply Chain Prozessen.

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