Was 2021 zählt: Sicherheit in der Lieferkette

von Julia Severins
Quality control garantee, verification of standard of company product.
(c) istock/anyaberkut

Wenn es 2021 eine Sache gibt, die sich vermutlich jeder wünscht, dann ist es Sicherheit. Das gilt nicht nur für das private Umfeld, den Job, die Kinderbetreuung und Gesundheit, sondern auch für die Wirtschaft.
Auftragseinbrüche, Lieferengpässe und Personalmangel zeigen seit Beginn der Pandemie, an welchen Stellen vor allem globale Lieferketten besonders anfällig sind. Unternehmen können jedoch ein Stück Sicherheit zurückgewinnen, in dem sie jetzt auf moderne Technologie für die Planung aller Prozesse in der Lieferkette setzen. Folgende Möglichkeiten schaffen konkreten Mehrwert:

  1. Dispositionssysteme bieten eine große Auswahl individueller Steuerungsoptionen, die eine schnelle Anpassung der Beschaffungsstrategie an plötzliche Konjunkturschwankungen ermöglicht.
  2. Eine unternehmensweite Absatzplanung ohne Medienbrüche erhöht die Planungssicherheit und stabilisiert die gesamte Unternehmensplanung, in dem sie alle Abteilungen zusammenführt, Transparenz schafft und Synergien aufdeckt.
  3. Künstliche Intelligenz ist heute in der Lage, Liefertermine sehr viel präziser vorherzusagen als die Lieferanten selbst, wodurch alle Folgeprozesse entlang der internen Supply Chain von zusätzlicher Planungssicherheit profitieren.


Corona-Krise: Wie wird es 2021 weitergehen?
In einer Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums im Dezember hieß es: „Der wirtschaftliche Aufholprozess hat sich zuletzt weiter fortgesetzt, aber der Verlauf der Pandemie stellt ein Risiko dar.“ Konkret verzeichneten Industrie und Baugewerbe im November einen Zuwachs von 1,2 Prozent bzw. 1,4 Prozent. Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe nahmen im gleichen Monat gegenüber dem Vormonat sogar um 2,3 Prozent zu. Doch der nochmals verlängerte Teil-Lockdown lässt einen erneuten Dämpfer erwarten. Forscher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) halten dennoch an ihrer Wachstumsprognose von 4,9 Prozent für die deutsche Wirtschaft in 2021 fest – vorausgesetzt, die Impfkampagnen schreiten voran und erneute Lockdowns sind ab der zweiten Jahreshälfte nicht mehr notwendig.


Flexibilität in Unternehmen gefordert: Dispositionssoftware als entscheidende Hilfe
Aus unternehmerischer Sicht stellt sich die Frage, wie die Unsicherheit, die durch die globale Krise in der eigenen Logistik, Beschaffung, Produktion und Vertriebsplanung entstanden ist, minimiert werden kann, um möglichst wirtschaftlich zu handeln. Eine wichtige Voraussetzung für mehr Sicherheit ist Transparenz. Nur wer seine Auftragslage, die Lagerbestände, Plandaten und Kostenstrukturen kennt, ist in der Lage, eine nachhaltige und zielgerichtete Optimierung vorzunehmen. Wertvolle Unterstützung liefern spezialisierte Planungssysteme wie die Dispositionssoftware ADD*ONE. Sie bündelt nicht nur alle relevanten Informationen, bereitet sie grafisch auf und liefert konkrete Handlungsempfehlungen für die Warendisposition, sondern sie bietet auch viele Steuerungsmöglichkeiten und dynamische Berechnungen.

Das bedeutet konkret, dass Steuerungsgrößen für die operative Disposition, wie beispielsweise der Sicherheitsbestand, flexibel heruntergesetzt werden können, wodurch sich der Lagerbestand und die Kapitalbindung schnell verringern. Im Falle einer gestiegenen Nachfrage, wie sie beispielsweise die Lebensmittelindustrie oder der Handel mit Unterhaltungselektronik derzeit spüren, bewirkt eine flexible Anpassung der Planung wiederum eine schnelle Erhöhung der Kapazität und hilft damit, die Lieferfähigkeit weiterhin zu gewährleisten.

Dass dies in der Praxis einen echten Mehrwert bringt, bestätigt Ralph Widmann, Head of Digital Operations bei der UVEX Safety Group: „Durch die Corona-Krise hat sich das Nachfrageverhalten für unsere Sicherheitsprodukte drastisch verändert. Mit Hilfe von ADD*ONE bekamen wir schnell die nötige Transparenz, um z.B. die Supply Chain für unsere Vollsichtschutzbrillen anzupassen und entsprechend Kapazitäten zu erhöhen“.

Unternehmensweite Absatzplanung ist erfolgsentscheidend
Sicherheit in der Lieferkette entsteht bereits früh im Planungsprozess. Welcher Kunde bestellt wann, welche Menge eines bestimmten Produktes? Diese Frage sollte im Rahmen einer Absatzplanung beantwortet werden können. Denn das Ergebnis einer solchen Planung hat Auswirkungen auf die gesamte interne Supply Chain: Einkauf und Beschaffung müssen Rohwaren, Zukaufteile oder Handelsware pünktlich ordern und bevorraten. Die Produktion muss Stücklisten herunterbrechen und die Fertigung pünktlich beginnen, um Liefertermine einhalten zu können. Das Management braucht verlässliche Informationen über die Unternehmensentwicklung, um steuerungs- und entscheidungsfähig zu bleiben.

Da jedoch alle Abteilungen auf unterschiedlichen Ebenen wie beispielsweise Budget, Kundengruppe, Artikel oder Ressource planen, wird ein konsolidiertes Ergebnis über alle Abteilungen hinweg selten erreicht. Treten kurzfristige Änderungen ein, ist eine schnelle Planänderung häufig nicht möglich. Eigens für die Absatzplanung konzipierte Softwaresysteme sind in der Lage, diese multidimensionale Planung abzubilden und einen für das gesamte Unternehmen gültigen Plan zu generieren. Sie konsolidieren die Planung auf den verschiedenen Ebenen und ergänzen das Ergebnis um intelligente Prognosealgorithmen. So kann mehr Sicherheit in das gesamte Unternehmen und den Waren- und Informationsfluss gebracht werden.

Unsicherheit in der Beschaffung mit KI um bis zu 50% reduzieren
Unsicherheit entlang der Supply Chain ist ein großer Treiber von Komplexität und Kosten. Sie ist häufig auch die Folge unzuverlässiger Lieferantenzusagen. Die gesamte Materialverfügbarkeitsplanung in der Beschaffung basiert auf einem Anlieferdatum, das der Handelspartner bestätigt hat. Jedoch kommt es in der Praxis häufig vor, dass dieser Termin aus den verschiedensten Gründen nicht eingehalten werden kann. Die Folgen:

  • Überbestände, hohe Lagerkosten und Kapitalbindung bei vorzeitiger Lieferung,
  • verspätete Produktions- und Liefertermine bei verzögerter Lieferung.

Um 50% verlässlichere Liefertermine verspricht eine neue KI-Methode von INFORM. Der Algorithmus analysiert historische Daten einzelner Lieferanten wie zum Beispiel das Bestelldatum, den Wareneingang oder saisonale Daten wie etwa kurzfristige Lieferungen vor Weihnachten. Außerdem fließen Eigenschaften des Lieferanten in die Analyse ein und werden miteinander kombiniert. Diese Eigenschaften umfassen beispielsweise die Unternehmensgröße und Anzahl Kraftfahrzeuge, sowie die auftragsbezogenen Daten, wie etwa die Bestellmenge und Bestellfrequenz. Der durch die KI prognostizierte Anliefertermin zeigte in der Praxis eine um bis zu 50% höhere Genauigkeit als der vom Lieferanten bestätigte Termin. Das schafft Sicherheit für alle Folgeprozesse und verhindert hohe Kosten durch kurzfristige Notfall-Bestellungen.

Fazit
In wirtschaftlich unsicheren Zeiten sind intelligente Planungssysteme eine große Unterstützung für Unternehmen, um mehr Stabilität und Voraussicht in die eigenen Prozesse zu bringen. Sie schaffen Transparenz und unterstützen eine stabile Planung durch intelligente Prognosealgorithmen. Wie sich die aktuelle Krise weiterentwickelt und welchen Einfluss sie langfristig auf die Wirtschaft nehmen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass mithilfe moderner Technologie mehr Planungssicherheit gewährleistet werden kann. Unternehmen sollten daher jetzt in die Digitalisierung der Supply Chain investieren und sich für die Zukunft rüsten.



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Über die Autorin

  • Julia Severins

    Julia Severins arbeitet seit 2012 bei der INFORM und schreibt hauptsächlich zu den Themen Bestandsoptimierung, Absatzplanung und Stichprobeninventur.

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