Was ein Umzugskarton mit Integrierter Planung zu tun hat

von Ludger Schuh

Wer häufig umzieht, kennt diesen einen Umzugskarton, der unglaublich lange unausgepackt im Flur steht. Und natürlich weiß man: er ist im Weg und nicht selten unnötiger Ballast. Würde er wirklich wichtige Gegenstände enthalten, dann würde er nicht so lange (neben der Ästhetik des Raums) die eigene Bewegungsfreiheit einschränken. Auch wenn einem das theoretisch klar ist, läuft man immer wieder daran vorbei, stolpert vielleicht sogar darüber.

Ein ähnliches Phänomen zeigt sich in der Logistik von Unternehmen bei der Realisierung des Konzepts der Integrierten Planung. In der unternehmerischen Praxis bedeutet das, alle Teilprozesse entlang der internen Supply Chain intelligent zu vernetzen und damit Beschaffung, Produktion, Distribution und Vertrieb besser aufeinander abzustimmen. Klingt einleuchtend, aber wie viele Unternehmen planen tatsächlich integriert? Unser Geschäftsbereich Inventory & Supply Chain wollte im Rahmen einer Umfrage genau das von den Verantwortlichen aus dem Logistikbereich deutscher Unternehmen wissen. Deshalb befragten wir von Februar bis Mai 2014 insgesamt 72 Arbeitnehmer zur Relevanz sowie der praktischen Umsetzung der Integrierten Planung.

Das Ergebnis ist verblüffend: Das Potenzial der Integrierten Planung wird von den Teilnehmern zwar erkannt, aber nicht genutzt und das obwohl mehr als 90 Prozent der Befragten das Thema für wichtig bzw. eher wichtig erachten. Zwar ist ihnen bewusst, dass dadurch ein optimales Gesamtergebnis erreicht werden kann, angewendet wird das Konzept aber nur in den seltensten Fällen. So bezeichnen 56 Prozent der Befragten die Supply Chain Prozesse in ihrem Unternehmen als kaum oder gar nicht integriert, nur sieben Prozent attestieren eine hohe Integration. Scheinbar liegen bei der Umsetzung der Integrierten Planung manchmal auch Umzugskartons im Weg. Diese Hürden sind über alle Branchen hinweg gleich – von der Automobil-, über die Lebensmittel- bis zur Metall- und Speditionsbranche.blog_ip2

Die Probleme in der Umsetzung liegen aber offensichtlich nicht daran, dass den Teilnehmern das Konzept fremd ist. Die Integrierte Planung ist den Befragten durchaus bekannt: Rund 60 Prozent haben sich bereits mit dem Optimierungsansatz beschäftigt. Sie stellen dabei auch gewisse Anforderungen für ihr Unternehmen: Für etwa 77 Prozent müssen die Vertriebsabsatzplanung, für 75 Prozent die Beschaffungsplanung und für 70 Prozent die Produktionsplanung Bestandteil der Integrierten Planung sein.

Die Umfrage-Teilnehmer versprechen sich auch konkrete Vorteile von der Integrierten Planung: Den Hauptnutzen des Optimierungsansatzes sehen die Befragten mit knapp 36 Prozent vor allem in der hohen Konsistenz von Daten und Planung, der Kostenreduktion und in der Einbindung aller Planungsabteilungen.

Woran scheitert die Umsetzung konkret? Bei den Hürden sehen die Befragten hauptsächlich interne Faktoren wie die bremsende Organisationsstruktur des Unternehmens, aber auch unabhängige Zielvereinbarungen der einzelnen Prozesse und die Nutzung unterschiedlicher Softwaresysteme.

Die Ergebnisse der Umfrage belegen: Es mangelt der Integrierten Planung nicht an der Bekanntheit und Anerkennung, sondern vielmehr an der praktischen Umsetzung. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass sich die Anwendung in der Praxis langfristig ändern wird. Die Integrierte Planung ist nicht nur ein wichtiger aktueller Trend, denn etwa 49 Prozent der Befragten geben sogar an, mittelfristig eine integrierte interne Supply Chain-Planung in ihrem Unternehmen umsetzen zu wollen. Spätestens wenn der Leidensdruck groß genug ist, wird auch das letzte Unternehmen seinen persönlichen Umzugskarton aus dem Weg räumen. Allerdings sollten Prozesse im Unternehmen optimiert werden, bevor man darüber stolpert.

Wie sieht es in ihrem Unternehmen aus? Planen Sie bereits integriert?



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Über den Autor

  • Ludger Schuh

    Ludger Schuh († 19.06.2017) war Mitglied der Geschäftsleitung bei der INFORM GmbH. Von 1993 - 2016 war er verantwortlich für die Produkte aus dem Bereich Inventory and Supply Chain. Im Januar 2017 hat er die Aufgaben des zweiten Geschäftsführers der INFORM GmbH übernommen.

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