Wearables – immer intelligent gekleidet

von Michael Schwemmle
Smart Watch mit Icons

Bei Temperaturen über 30 Grad liege ich persönlich am liebsten am Meer oder im kühlen Schatten. Dennoch konnte ich auch bei diesem Wetter noch Hartgesottene beobachten, die in der prallen Sonne joggen waren - schlimmstenfalls sogar zur Abwechslung ein paar Liegestütze am Wegesrand in den Lauf eingebaut hatten. Was neben der Anstrengung auffällt: Viele der Sportbegeisterten tragen heutzutage Smartwatches oder Fitnessbänder am Arm, um sich auch am Handgelenk von der erbrachten Leistung überzeugen zu können. Denn gelaufene Schritte, Herzfrequenz oder Kalorienverbrauch können mit ihrer Hilfe ganz leicht gemessen werden. Doch auch die etwas weniger Motivierten unter uns können von Wearables profitieren. Dank der tragbaren Geräte fällt es nämlich schwer, die Abkürzung bei der Joggingrunde zu vertuschen. Es gibt Beweise.

Das Potenzial von Wearables ist vielfältig

Meiner Meinung nach haben Wearables nicht nur im Bereich Sport eine vielversprechende Zukunft. Die intelligenten, technischen Geräte, die man am Körper trägt, bieten auch Potenzial in Einsatzgebieten wie der Medizin, Logistik oder in unserem Alltag. Im „Internet der Dinge“ werden wir große Mengen an Daten als ständige Begleiter mit uns führen. Die Anwendungsbereiche der Wearables werden sich zusätzlich erweitern, indem dadurch unser komplettes Umfeld zunehmend intelligent vernetzt wird. Dadurch können Gegenstände untereinander kommunizieren und agieren. Andere „Dinge“ könnten dann wiederum die Informationen, die unsere Wearables bereitstellen, verarbeiten und umsetzen.

So könnte ein intelligentes Kleidungsstück beim Betreten eines Raumes bestimmte, für mich vorgesehene Ereignisse umsetzen. Zum Beispiel würde sich die Lichtintensität, Lichtfarbe oder die Lautstärke der Musik anpassen sowie automatisch meine Playlist oder meinen Lieblingsfernsehsender abspielen. Fernbedienungen oder Knopfdrücke wären damit überflüssig. Ich bringe die Daten ja schließlich mit. Ich kann mir auch gut eine Brille vorstellen, eines der ältesten „Wearables“, bei der ich nicht mehr durch geschliffenes, optisches Glas blicken werde, sondern durch ein feinmaschiges Netz transparenter Nano-Prismen, die sich permanent meinen Augen anpassen und exakt die Bereiche klar und scharf darstellen, die ich gerade fokussiere. Diese Brille – oder besser „Viewable“ – würde mir auch in dunkler Umgebung ermöglichen, kleinste Schriften zu lesen und besser zu erkennen. Bin ich mit dieser Brille zum Beispiel in einem Kaufhaus, einer Stadt, einem Museum oder sonst wo unterwegs, wird sie mir, sofern erwünscht, optisch signalisieren, wo ich hinsehen muss. So kann ich ein für mich interessantes Kulturdenkmal, ein tolles Angebot, die kleine Schraube, die ich suche, ein Buch oder einen anderen Gegenstand, der meinen Interessen entspricht, schneller finden.

Doch auch ernstere Anwendungsgebiete wie medizinische Notfälle sind denkbar. Beispielsweise gibt es Notfallstrickjacken, die ältere Menschen oder Schlaganfallpatienten nutzen können, wenn sie alleine zuhause sind und aufgrund körperlicher Beschwerden Hilfe rufen müssen. Ein anderes Beispiel ist der SMS-Handschuh, der Taubblinden den Alltag erleichtert, indem er sie durch vibrierende Sensoren in der Handfläche Texte formulieren und verstehen lässt. Per Bluetooth wird das in die Hand geschriebene dann als SMS oder Email über das Handy verschickt und umgekehrt.

Wearables im Bereich Automotive

Als großer Fan von allem, was mit Automotive, Elektromobilität, autonomen Fahren und anderen Zukunftsvisionen zu tun hat, interessiert mich der Einsatz von Wearables in intelligenten Fahrzeugen natürlich besonders. Auch hier ergibt sich ein vielversprechendes Zukunftsfeld für die tragbaren Systeme. Unsere Fahrzeuge und vor allem deren Ausstattung könnten sich durch die Wearables grundlegend verändern. Denn viel Innenleben ist in unseren Autos eigentlich nicht mehr nötig, wenn meine Kleidung die meiste Technologie mit sich bringt. Diese könnte dem Smart Car beim Einsteigen durch Datenaustausch signalisieren, welche Musik ich während der Fahrt gerne hören möchte. So könnte auch die Klimaanlage als umweltbelastende Komponente bald Teil der Vergangenheit sein, weil intelligente Kleidung dazu in der Lage sein wird, meine persönliche Wohlfühltemperatur für mich einzustellen. Natürlich sind meine Wearables so konfiguriert, dass sie meine Körpertemperatur in Abstimmung mit meiner Gesundheit und meinem persönlichen Ermessen abstimmen. Und während die Smartwatch beim Joggen misst, wann mein Puls zu hoch ist oder wie viele Schritte ich gemacht habe, könnte sie meinem Auto mitteilen, falls ich unausgeschlafen bin. Dann würde der Fahrspurhalte-Assistent der Zukunft automatisch aktiviert werden.

Erste Schritte in Richtung Vernetzung

Der Fahrzeughersteller Ford arbeitet zurzeit an solchen Wearables für selbstfahrende Autos und deren Integration in die Fahrzeug-Elektronik. Ziel ist es, die Sicherheit im Auto durch externe Sensoren zu verbessern. Im Forschungslabor „Automotive Wearables Experience“ in Michigan werden verschiedene Ansätze erforscht, um Daten wie Blutzucker oder Puls des Fahrers für die Sicherheit im Verkehr einzusetzen. Zum Beispiel werden hier Wearables entwickelt, die den Puls des Autofahrers messen. Geht dieser in dichtem Verkehr hoch, könnte das Gerät durch eine Geschwindigkeitsregelanlage automatisch eine größere Mindestdistanz zum vorausfahrenden Auto halten. Auch die Sprachsteuerung der Autos, wie Ver- und Entriegeln sowie Lokalisieren könnte über eine Smartwatch oder ein anderes Wearable gesteuert werden. Zusätzlich bringen die tragbaren Systeme die Entwicklung selbstfahrender Autos voran, indem Fahrer per Wearable informiert werden, wenn sie das Steuer übernehmen sollen. Ein zusätzlicher Vibrationsalarm am Handgelenk könnte hier beispielsweise unterstützen.

Fazit

Wearables sind zurzeit noch größtenteils bei Sportlern beliebt. Dennoch bieten die tragbaren Geräte einen wichtigen Vorteil: Kleidung oder auch Schmuck und Uhren tragen wir ohnehin jeden Tag. Daher können wir sie auch nutzen, um die Bedienung von neuen Technologien einfacher zu gestalten. Trotz einiger Fragen, die hinsichtlich des Datenschutzes geklärt werden müssen, sind die Potenziale von Wearables vielfältig. Und auch wenn ich mich zukünftig eher in einem klimatisierten Pullover als mit einem Geschwindigkeitsmesser in der prallen Sonne sehe, bin ich gespannt, wie sich die Technologien in allen Bereichen entwickeln.

 



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Über den Autor

  • Michael Schwemmle

    Michael Schwemmle arbeitet seit 2015 bei der INFORM. Er begeistert sich für Zukunftsthemen und für die Fragestellung wie Digitalisierung Innovationen im Sinne der Nachhaltigkeit unterstützen kann.

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