Weihnachts-Startschuss –Wie Sie die Vorproduktion für die Wintersaison clever einplanen

von Stefan Auerbach

Weihnachten beginnt jedes Jahr gefühlt bereits im Herbst, wenn den Kunden im Supermarkt die ersten Nikoläuse aus dem Regal entgegengrinsen, sich Lebkuchen- und Spekulatiuspakete stapeln oder im Tiefkühlfach Eis und Kuchen mit Zimtgeschmack ihrer Konsumenten harren. Für Hersteller ist die Weihnachtszeit nicht zuletzt auch wegen eben jener wochen- und monatelangen Vorlaufzeit eine der umsatzstärksten Perioden im Jahr. Gleichzeitig müssen Produktionsverantwortliche mit Blick auf die Lieferkette alle Jahre wieder in den Sommermonaten die komplexe logistische Frage nach der richtigen Vorproduktion beantworten. Dabei gilt es, zwei divergierende Zielsetzungen zu synchronisieren: Zum einen soll in den Sommermonaten ein stärkeres Augenmerk auf die Vorproduktion gelegt werden, damit zwei Monate später die Ware für das Weihnachtsgeschäft entsprechend verfügbar ist und es vor dem Hintergrund einer zu erwartenden stärkeren Nachfrage keine bösen Überraschungen in punkto Lieferfähigkeit gibt. Zum anderen gilt es aber auch, im Alltagsgeschäft handlungsfähig zu bleiben - ohne eine Überlastung der Kapazitäten, zusätzliche Arbeitsschichten oder weitere Produktionslinien.

Weg vom Silodenken - hin zur ganzheitlichen Betrachtungsweise

Angesichts der Komplexität der Fragestellung ist es jedoch wenig zielführend, wenn die an dieser Wertschöpfungskette beteiligten Bereiche eines Unternehmens - im Wesentlichen sind dies die Abteilungen Beschaffung, Produktion und Vertrieb - isoliert voneinander arbeiten. Silodenken führt hier nicht weiter. Formuliert beispielsweise der Vertrieb Absatzziele ohne die tatsächlich zur Verfügung stehenden Materialkapazitäten oder Produktionsmaschinen des Unternehmens zu kennen, so kann dies zu einem in hohem Maße unrealistischen Produktionsprogramm führen. Gleiches gilt für den Fall, dass lagerhaltige Bestände überschätzt und Vertriebsziele ehrgeizig auf einem gegenwärtigen Informationsstand formuliert werden, der sich durch tägliche Ereignisse bereits am Folgetag wieder völlig verändert hat. Gefordert ist vielmehr eine flexible Planungsmethode, die es schafft, mehrere Teilziele in einem Planungsschritt zu vereinen:

  • Liefertreue sowohl im Alltagsgeschäft als auch mit Blick auf die größeren Bestellmengen der Kunden im anstehenden Weihnachtsgeschäft
  • Kapazitive Machbarkeit in der Produktion (auch hier sowohl bezogen auf das Alltagsgeschäft als auch hinsichtlich steigender Losgrößen für die Saisonware zu Weihnachten)
  • Kostenoptimierte Materialverfügbarkeit 
  • Marktorientierte Forecasts für Materialbedarf und Absatz

Diese ganzheitliche Betrachtung erreicht ein alle Produktionsstufen umfassendes, kostenoptimales und realisierbares Produktionsprogramm, das eine Vorproduktion bei vorhandenen Kapazitäten intelligent anstoßen kann. Herkömmliche Berechnungssysteme für ein Produktionsprogramm scheitern jedoch an diesen Aufgaben durch ihre sukzessive Vorgehensweise. Die Lösung besteht darin, Kapazitäten der Produktion und die Verfügbarkeit der Materialien aus der Stückliste simultan, also gleichzeitig, in die Erstellung des Produktionsprogramms einfließen zu lassen. Darüber hinaus sollte jede freie Kapazität in einem Vorlauf zur Saison automatisch, intelligent und dynamisch für die vorgezogene Fertigung eingeplant werden. Außerdem müssen natürlich die Prognosen hinsichtlich Absatz und daraus resultierendem Materialbedarf im gleichen Schritt berücksichtigt werden. Erst wenn alle genannten Faktoren und Variablen im Gesamtzusammenhang, also simultan, betrachtet werden, steht die Berechnung optimierter Losgrößen und die gesamte Produktionsprogrammplanung eines Unternehmens auf einem soliden Fundament.

Dieses theoretische Idealbild eines simultan geplanten und damit machbaren Produktionsprogramms, hat INFORM mit add*ONE Simultanplanung in die Praxis umgesetzt. Das spezialisierte Add-On-System integriert ein wirtschaftliches Supply Chain Management mit machbarer und pünktlicher Produktionsplanung. Das System vernetzt die Bereiche Bedarfsprognose, Produktionsprogrammplanung und Beschaffungsmanagement, sodass alle Planungsbeteiligten ohne weitere Subsysteme auf einer gemeinsamen Informations- und Datenbasis arbeiten können. Die simultane Betrachtung von Materialverfügbarkeit und Maschinenkapazitäten sorgt für eine robuste Produktionsplanung. Manuelle Umplanungen, die zum einen zeitaufwändig sind und immer auch ein gewisses Risiko und Fehlerpotential in sich bergen, werden so zur Ausnahme.

Freie Kapazitäten intelligent nutzen

Gerade für die Sommermonate vor dem anstehenden Weihnachtsgeschäft sind Handlungsempfehlungen für die optimale Vorproduktion, die Produktionsverantwortliche durch add*ONE Simultanplanung erhalten, von unschätzbarem Wert. Dies gilt nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern immer dann, wenn der aktuelle Bedarf die vorhandenen Kapazitäten übersteigt, zum Beispiel bei anstehenden Produktionsferien. Denn durch eine IT-gestützte, dynamische Losgrößenberechnung lässt sich jede freie Kapazität unter Optimierungskriterien in einem Vorlauf zur Saison effizient für die Vorproduktion nutzen. So werden schon im August Lebkuchen, Zimteis und Bratapfelkuchen für das Vorweihnachtslager bereitgestellt - natürlich unter Berücksichtigung aller Beschränkungen, wie beispielsweise Haltbarkeitsdaten - und gleichzeitig kann das Alltagsgeschäft uneingeschränkt weitergehen.

Das Kernziel der Simultanplanung besteht darin, das richtige Produkt in der richtigen Menge zur richtigen Zeit zu produzieren. Böse Überraschungen à la eingeschränkte Lieferfähigkeit aufgrund zu geringer Lagerbestände und Fehlmengen sowie Extraschichten gehören damit der Vergangenheit an. In diesem Sinne: Fröhliche Vorproduktion!



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Über den Autor

  • Stefan Auerbach

    Stefan Auerbach ist seit 2015 bei der INFORM GmbH tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Themenschwerpunkt Simultane Produktionsplanung.

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