Wenn die Erkältungswelle kommt, ist der Medikamentenhandel vorbereitet

von Julia Severins

Die diesjährige Grippe-, und Erkältungswelle hat ihren Rückzug angetreten. In den vergangenen Wochen und Monaten hat sie vielen Menschen eine Bettruhe auferlegt. Durch die akut gestiegene Nachfrage nach Medikamenten geriet auch so mancher Apotheker ins Schwitzen. In Köln sei die Liste der derzeit nicht lieferbaren Medikamente lang gewesen, berichtete der Vorsitzender des Apothekerverbands und sieht die Ursache ganz eindeutig in der Grippewelle.

Vorbereitung auf allen Ebenen

Für die Beschaffungsverantwortlichen in den Apotheken und dem Pharmagroßhandel kam diese „Hochsaison“ natürlich nicht vollkommen überraschend. Branchenexperten planen die steigende Nachfrage frühzeitig ein und rüsten den Bestand in den Filialen auf. Mehr Artikel in den Apotheken vorrätig zu haben, bedeutet gleichzeitig auch mehr Umschlag beim Großhändler und größere Mengen in der Herstellung der Medikamente – eine Kettenreaktion, die gut geplant sein sollte.

Voigt AG: Belieferung der Apotheken innerhalb von zwei Stunden

Der Schweizer Pharmagroßhändler Voigt AG bietet Apotheken und Reformhäusern die Lieferung von über 40.000 Arzneimitteln, Medizin- und Wellnessprodukten innerhalb von nur zwei Stunden an. Damit dies gelingt, muss die Warenverfügbarkeit sehr gut sein.

Dafür sorgen bei Voigt fünf Disponentinnen. Sie bewirtschaften die 40.000 lagerhaltigen Artikel. Zusätzlich zu diesem bereits enormen Produktportfolio stellt Voigt weitere 30.000 Artikel für individuelle Kundenbedürfnisse bereit.

Eine gute und vor allem auch wirtschaftliche Warenverfügbarkeit zu garantieren, ist bei den besonderen Anforderungen, die im Pharmagroßhandel herrschen, keine leichte Aufgabe. Medikamente haben wie Lebensmittel ein Haltbarkeitsdatum. Ein zu hoher Bestand führt also auch dazu, dass Waren ablaufen und entsorgt werden müssen. Das ist nicht nur aus Kostensicht schlecht, sondern auch nicht nachhaltig. Darüber hinaus gibt es saisonale Absatzspitzen. Doch wie viel Sonnencreme wirklich gekauft wird, entscheidet letztlich das Wetter und auch Erkältungswellen oder die Heuschnupfensaison können jedes Jahr unterschiedlich stark ausfallen.

So verhielt es sich auch bei der diesjährigen Grippewelle: Die bereits vorausschauende Planung war nicht genug und an mancher Stelle herrschte Medikamentenknappheit. Doch das Geschäft ist sensibel, denn auf Medikamente möchte im Krankheitsfall niemand warten. Wie kann die Prognose in diesem sensiblen Bereich also noch besser werden?

Intelligente Algorithmen für den Erfolg

Voigt beherrscht die Komplexität des Geschäfts nun noch besser durch intelligente Prognosealgorithmen in der Software add*ONE. Der Lagerumschlag hat sich seither bei gleichbleibender Verfügbarkeit um 25% erhöht und Abschriften wurden reduziert. Möglich gemacht hat dies eine große Menge verschiedener, in der Software hinterlegter Prognoseverfahren. Auf Basis von Vergangenheitsdaten wird das beste Verfahren für jeden Artikel täglich neu gewählt. Dadurch werden die Prognosen sehr verlässlich. Die Qualität dieser Vorhersagen ist so gut, dass Voigt nun 30% der Artikel automatisiert über die Software disponiert, ohne den Vorschlag über eine Bestellmenge noch einmal kontrollieren oder verändern zu müssen.

Es gibt noch weitere Überlegungen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz. Die Unvorhersehbarkeit vieler Situationen verlangt innovative Methoden für die Planung im Bereich des Supply Chain Managements. Spezielle Machine-Learning-Algorithmen für die Berechnung von Absatzmengen sind auf aktuellem technologischen Stand in der Lage, Absatzprognosen für Medikamente noch viel genauer vorherzusagen, als bestehende Prognoseverfahren. Zum Beispiel, indem sie Vorhersagen zum Pollenflug nutzen, um den regionalen Absatz von Antihistaminika besser zu prognostizieren. Gängig ist der Einsatz solcher Methoden im Pharmahandel noch nicht, aber sicherlich spannend genug, um in diese modernen Verfahren zu investieren.

Haben Sie sich schon einmal mit der Qualität und dem Potenzial Ihrer Absatzprognosen auseinandergesetzt?



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Über den Autor

  • Julia Severins

    Julia Severins arbeitet seit 2012 bei der INFORM und schreibt hauptsächlich zu den Themen Bestandsoptimierung, Absatzplanung und Stichprobeninventur. 

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