Wie kann die Autoindustrie von intelligentem Zeitfenstermanagement profitieren?

von Luisa Walendy
Lkw

Von der steigenden Nachfrage nach Neuwagen profitieren hauptsächlich die Hersteller. Die Lieferanten hingegen müssen zunehmend den wachsenden Anforderungen Stand halten. Denn durch die Verlagerung der weltweiten Nachfrage und den steigenden Kostendruck, nimmt auch der Wettbewerbsdruck auf die Automobilzulieferer zu. Die Kosten müssen folglich reduziert werden.

Um diese Kostenreduktion nicht nur in Material und Personal zu erreichen, setzen große Automobilhersteller wie Daimler, Audi oder BMW Group unter anderem bereits auf eine effiziente Lkw-Zulaufsteuerung. Sie hilft, unvorhersehbare Ereignisse wie verspätetes Material oder Spontanlieferungen in die laufenden Prozesse intelligent einzubauen. Und auch Zulieferer könnten dank der Echtzeit-Planung ihre Kosten senken. Denn die softwaregestützte Planung und Steuerung aller Warenein- und –ausgänge minimiert die Durchlaufzeiten im Werk und die Standgelder der Lkw.

Das Potenzial erkennen und gemeinsam optimieren

Ein weiteres Ergebnis könnten gemeinsame Logistik-Netzwerke der Lieferanten mit den Automobilherstellern sein, mit deren Hilfe sich die Abläufe an der Rampe noch besser planen lassen. Denn durch eine gemeinsame Prozessabstimmung und den Datenaustausch ließe sich das Potenzial bestmöglich ausschöpfen und wechselseitige Vorteile nutzen. Auf diese Weise könnte die Koordination sämtlicher Be- und Entladeprozesse optimiert werden. Denn die Herausforderungen sind bei Hersteller und Zulieferer die gleichen: Entweder kommt der Lkw zu früh, zu spät oder er ist nicht angemeldet. Auch wenn das Material in zu hoher Menge oder an die falsche Ladestelle geliefert wird, geraten Abläufe durcheinander.

Die Buchung und Vergabe von Zeitfenstern ist dabei mehr als reiner Austausch zwischen dem Unternehmen und der Spedition. Das Zeitfenstermanagement liefert wichtige Informationen über die Liefermenge, die Ladestellenkapazität, den Bedarf der Produktion, die Priorität der Sendung, die Lagerkapazität sowie über den Status von Versandmaterial. Damit ist es ein entscheidendes Mittel zur Koordination zwischen Verlader, Spedition, Abholer und Werk. Konkret bedeutet das, dass die Zeitfensterbuchungen beim Lieferanten und beim Hersteller synchronisiert werden. So können Ankunftszeiten bereits beim Verlassen des Lieferantenwerkes an den Hersteller übermittelt werden.

Trotz hoher Komplexität optimal planen

Der Plan ist dann optimiert. Dennoch gibt es häufig Störungen im Prozess. Die komplexen Prozesse und die Vielzahl möglicher Störungen erschweren die manuelle Planbarkeit der Lkw-Zulaufsteuerung. Häufig sind schnelle Entscheidungen gefragt, die sich nur durch Echtzeit-Planung und –Steuerung der Prozesse unter Einbezug aller wichtigen Randbedingungen treffen lassen.

Genau hier setzt eine Kombination von webbasiertem Zeitfenstermanagement und einer automatisierten Zulaufsteuerung an, dank der Stand- und Wartezeiten der Lkw vor und im Werk minimiert werden können. Dass sich diese Art der Prozessoptimierung aber auch für Automobilzulieferer eignet, haben erst wenige erkannt. Dennoch kann auch deren Zulaufsteuerung in zwei Schritten grundlegend verbessert werden.

Der 1. Schritt: Intelligentes Zeitfenstermanagement

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Lkw-Zulaufsteuerung eines Automobilzulieferers ist die Dr. Schneider Unternehmensgruppe, Hersteller von Belüftungssystemen, Verkleidungen, Mittelkonsolen und intelligenten Ablagesystemen. Hier ermöglicht die Lösung SyncroSupply durch eine flexible Zeitfensterbuchung über ein Webportal die Vergabe von verbindlichen Regel- oder freien Poolzeitfenstern. Sollten Wunschtermine nicht verfügbar sein, werden unter Berücksichtigung aller Vorgaben automatisch Alternativen mit Angabe der darin jeweils möglichen Durchlaufzeit vorgeschlagen. Das Ergebnis des Buchungssystems ist ein effizienter Plan, der kürzere und verlässlichere Durchlaufzeiten für Spediteure und Werksverkehr und somit stabilere Transportpläne bietet und dabei auch die gleichmäßige Auslastung der Verlade-Ressourcen im Werk berücksichtigt.

Wenn man ein Software-as-a-Service Modell in der Cloud nutzt, kann sich die Installation einer Software aufgrund der schnelleren Durchlaufzeiten und der eingesparten Standgelder bereits ab 20 Lkw-Anfahrten pro Tag auszahlen, da die Projektzeit und Investitionskosten minimiert werden.

Der 2. Schritt: Die Umsetzung im operativen Geschäft

Die Planung der Anliefertermine ist jedoch nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer effizienten Anlieferlogistik. Außerdem entscheidend ist, dass der aufgestellte Plan trotz unvorhersehbarer Ereignisse wie Staus oder Pannen im Tagesgeschäft funktioniert. Dafür berücksichtigt die Software den Status aller Fahrzeuge und die Auslastung der Ladestellen, um eine optimale Durchlaufreihenfolge sämtlicher Lkw zu berechnen. In der Praxis können die Fahrer zum Beispiel bei Ankunft im Werk mithilfe einer Telematik-App über die Dispositionsentscheidungen informiert und so ohne Verzögerung zu der für sie vorgesehenen Entladestelle geleitet werden.

Abbildung1: Das Zeitfenstermanagement bildet die Grundlage für einen effizienten Plan, der sich in Echtzeit an die realen Gegebenheiten anpassen lässt.

Fazit

Eine intelligente Lkw-Zulaufsteuerung kann nicht nur Automobilhersteller, sondern auch Zulieferer unterstützen, ihre Prozesse und folglich ihre Kosten zu optimieren. Cloud-Anwendungen ermöglichen, die Investitionskosten und die Projektzeit zu minimieren. Ein weiteres Szenario, das möglicherweise in gar nicht so ferner Zukunft liegt, ist ein gemeinsames Logistik-Netzwerk von Automobilherstellern und -zulieferern auf Basis eines gemeinsam genutzten Systems. So könnten die Eingangs- und Ausgangslogistik beider Partner synchronisiert und optimal aufeinander ausgerichtet werden. Dies würde nicht nur die Zusammenarbeit verbessern, sondern könnte weitere ungenutzte Potenziale aufdecken.

 



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Über die Autorin

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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