Wie Sie Ihre Produktionsplanung für einschneidende Ereignisse wie CoVid-19 wappnen

von Stipo Nad
Workers with face mask protect from outbreak of Corona Virus Disease 2019.
(c) Blue Planet Studio - Getty Images

Der Maschinen- und Anlagenbau spürt die Folgen des Coronavirus stark. Laut einer Umfrage des VDMA stieg der Anteil der Unternehmen, deren Betriebsablauf beeinträchtigt ist, innerhalb von zwei Wochen von 60 auf 84 Prozent. Fast jedes zweite der betroffenen, befragten Unternehmen gibt an, unter „gravierenden“ oder „merklichen“ Störungen entlang der Lieferkette zu leiden. Mit Umsatzrückgängen für das aktuelle Jahr rechnen knapp 96 Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer, etwa 60 Prozent rechnen mit Rückgängen zwischen 10 und 30 Prozent. Um dem entgegenzuwirken, haben ein Großteil der befragten Unternehmen (75 Prozent) bereits begonnen, Kapazitätsanpassungen durch unter anderem Arbeitszeitkonten, Einstellungsstopps und Kurzarbeit vorzunehmen.

Doch wie berücksichtigt man neue Faktoren wie Kurzarbeit oder vermehrte Lieferengpässe in der Planung und wie gehen digitale Planungssysteme damit um? Im Folgenden möchte ich näher zeigen, wie Sie die aktuellen Herausforderungen angehen und eventuell sogar den Leerlauf während der Corona-Krise nutzen können, um sich auf die „Zeit danach“ bestmöglich vorzubereiten und bereits Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Wie können intelligente Planungssysteme unterstützen?

In den meisten Unternehmen werden die komplexen Prozesse in der Produktionsplanung sowie den angrenzenden Abteilungen nach wie vor mit einem ERP-System geplant. Diese Systeme haben jedoch einige Schwachstellen, die eine effiziente, termintreue Produktionsplanung häufig erschweren:

  • Durchlauf-Terminierung mit Übergangs-/Liegezeiten, diese sind in der Praxis meist zu lang,
  • statische Termine,
  • unrealistische Vergangenheitstermine,
  • Planung mit unbegrenzten Kapazitäten.

Durch diese Schwachstellen ist eine realistische Planung und dementsprechend eine termintreue Lieferung fast unmöglich. So bleibt meist nur eine zeitintensive, manuelle Planung mit zum Beispiel Excel übrig, wodurch Planer im Falle einer Störung erst sehr spät reagieren können. Bei wachsender Teilevielfalt, steigender Anzahl an Fertigungsaufträgen und Arbeitsgängen wird es jedoch zunehmend notwendig, digital zu planen, um dynamisch auf Störungen reagieren zu können. Diese Notwendigkeit unterstreicht die aktuelle Pandemie-Situation umso mehr. Lieferengpässe, Mitarbeiterausfälle und Schichtänderungen erfordern eine schnelle Reaktion und diverse Umplanungen.

Erschwert wird die Planung zudem durch die vielen im Produktionsprozess involvierten Abteilungen, wie zum Beispiel Konstruktion, Vertrieb, Einkauf und Montage. Aufgrund komplexer Planungsprozesse und der hohen Anzahl an Aufträgen sind permanente Abstimmungen zwischen den Mitarbeitern nötig. Dies führt zu einem enormen Zeitaufwand, hohen Kosten und hoher Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern. Denn kaum hat man sich abgestimmt, entstehen neue Herausforderungen, beispielsweise durch Maschinenausfälle. APS-Systeme wirken diesen Problemen entgegen. Die Systeme planen intelligent, indem sie nicht nur bloße Datenverwaltung bieten, sondern Planungs- und Dispositionsentscheidungen treffen und dem Anwender Handlungsempfehlungen an die Hand geben. Ein intelligentes APS-System plant und steuert bereichsübergreifend und zusammenhängend unter der Berücksichtigung real vorhandener Ressourcen alle Aufträge sowie Termine.

Ein aktuelles Beispiel, bei dem diese dynamische Planung zum besonderen Vorteil wird: Aufgrund von Corona müssen die Schichten kurzfristig neu geplant werden (z.B. zeitlich versetze Schichten). Dabei soll weiterhin eine möglichst effiziente Ressourcenauslastung und hohe Termintreue erzielt werden. Um trotz der neuen Anforderungen mit dem bestmöglichen Ergebnis zu produzieren, ist es wichtig, auch unter Zeitdruck intelligent zu entscheiden und zu planen. Ein APS-System ermöglicht, frühzeitig Vorhersagen über den zukünftigen Kapazitätsbedarf zu treffen und festzustellen, wann und wo Kapazität genau gebraucht wird. So werden Engpässe vermieden. Außerdem bietet das System eine transparente Übersicht über Mitarbeiter und Schichten. Die Schichten können dementsprechend schnell geändert und beispielsweise ein neues Schichtmodell angelegt werden. Fragen wie:

  • Wie ist die aktuelle Auslastung?
  • Wo habe ich Unter- oder Überlasten?
  • Welche Mitarbeiter werden konkret wo benötigt?
  • Welche Qualifikation benötigen diese Mitarbeiter?
  • Welche Mitarbeiter sind anwesend?
  • Wie lange benötige ich die jeweiligen Mitarbeiter?
  • Welche Kapazitäten sind nötig, um meine Termine einhalten zu können?
  • Sind Zusatzschichten notwendig?
  • Ist eventuell eine Fremdvergabe sinnvoll?

können schnell beantwortet und die Mitarbeiterressourcen dementsprechend eingeplant werden. Diese zentralen und für alle Akteure sichtbaren Informationen ermöglichen, langwierige Besprechungen zu eliminieren und stattdessen durch einen kurzen täglichen Austausch auf dem Shopfloor von etwa fünf bis zehn Minuten zu ersetzen.

Weitere Hilfen während der Krise

Intelligente APS-Systeme bieten weitere Möglichkeiten, die Planung auch während Krisenzeiten zu optimieren. So ist es beispielsweise möglich, eine transparente Lieferantenbewertung zu schaffen. Dadurch wird schnell deutlich, welche Lieferungen bestimmter Lieferanten aktuell in Gefahr sind und ob es gegebenenfalls Ersatzlieferanten für bestimmte Materialien gibt. Kritische Teile werden auf einen Blick sichtbar und können eventuell auch durch Eigenfertigung abgedeckt werden. Außerdem wird unmittelbar angezeigt, welche Auswirkungen die fehlenden Teile oder Lieferungen auf die Terminplanung haben. Dynamische Umplanungen können demzufolge proaktiv umgesetzt und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Zeit, um Digitalisierungsprojekte zu starten

Während des regulären Betriebs fehlt häufig die Zeit, große Projekte anzugehen. Digitalisierung wird jedoch zunehmend zum Muss und gerade im komplexen Maschinen- und Anlagenbau ist es notwendig, diese Digitalisierungsprojekte zeitnah anzugehen. Ich habe es in der Vergangenheit oft erlebt, dass unsere Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau konjunkturell schwache Phasen nutzen konnten, um sich Wettbewerbsvorteile für die Zeit nach der Krise zu sichern, indem sie sich konzeptionell vorbereitet haben.

Der Maschinen- und Anlagenbau leidet unter der aktuellen Krise. Intelligente Systeme helfen, die Auswirkungen möglichst gering zu halten und die einhergehenden Herausforderungen wie Kurzarbeit zu meistern, um die Folgen für die Termintreue soweit wie möglich einzudämmen. Die gewonnene Zeit kann außerdem ein Startpunkt sein, um die Digitalisierung nicht weiter aufzuschieben. Legen Sie jetzt los!

Wie gehen Sie mit den Herausforderungen der Corona-Krise in Ihrer Produktion um? Sie haben weitere Fragen rund um das Thema Produktionsplanung? Kontaktieren Sie mich gerne!



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Über den Autor

  • Stipo Nad

    Stipo Nad ist seit 2001 bei der INFORM GmbH tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themenschwerpunkten Advanced Planning & Scheduling, Produktionsplanung sowie Business Intelligence.

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