Wird das teuer? Die neuen Maut-Gebühren und mögliche Folgen für die Lkw-Logistik

von Luisa Walendy

Auf deutschen Straßen soll es teuer werden. Denn 2019 wird das Maut-Gesetz in Deutschland verschärft, im Vergleich kann die Gebühr dann bis zu 60 Prozent steigen. Diese Woche hat die Bundesregierung den Weg für die Neuberechnung der Maut freigemacht und den Gesetzesentwurf für die Ausweitung der Lkw-Maut auf allen Bundesstraßen verabschiedet. Bisher erhebt der Bund die Gebühr auf etwa 12.800 Kilometer Bundesautobahnen und rund 2.300 Kilometer autobahnähnliche Bundesstraßen. Ab dem 1. Juli wird das gesamte Bundesstraßennetz mit etwa 40.000 Kilometern für Lkw ab 7,5 Tonnen mautpflichtig. Diese Gebührensätze richten sich nach dem Gewicht der Fahrzeuge. Laut Verkehrsminister Scheurer sollen so schwere Fahrzeuge, die unsere Straßen stärker beanspruchen, auch stärker zur Kasse gebeten werden.

Ziel der neuen Verordnung ist, eine Milliarde Euro mehr pro Jahr für die Staatskasse zu generieren und so die Instandhaltung und den Ausbau des Verkehrsnetzes finanzieren zu können. Zuletzt konnten so bereits rund 4,7 Milliarden Euro eingenommen werden.

Am Ende zahlt der Konsument

Doch was für die Staatskasse ein großer Gewinn ist, bedeutet für Spediteure und Unternehmen Kosten. Wie hoch diese Kosten genau sind, ist zurzeit schwer einzuschätzen.

Feststeht: Die Spediteure und Transporteure müssen ihre Flotten zunächst mit einer neuen Technik ausstatten. In Zukunft soll die automatische Abrechnung für mautpflichtige Fahrzeuge über eine sogenannte Onboard Unit ablaufen. Die Geräte sollen inklusive Einbau mindestens 350 Euro kosten und das Fahrzeug ist für einen Tag nicht einsetzbar. Derzeit ziehen viele, gerade kleinere Zusteller noch Collect-Tickets am Automaten oder online.

Wer die zusätzlichen Kosten am Ende trägt, ist zurzeit noch ungewiss, vermutlich werden sie aber auf die Endverbraucher umgelegt. „Die Maut ist für unser Gewerbe wie eine Steuer. Wir werden sie eins zu eins an unsere Kunden weitergeben“, sagte Mathias Krage, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes. Im deutschen Transportgewerbe sind die Gewinnmargen mit etwa zwei Prozent vom Umsatz verhältnismäßig niedrig. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen könnte die neue Verordnung daher schmerzhafte Einbußen bedeuten, wenn die Kosten nicht weitergegeben werden. Der Konsument spürt diese Kosten nicht zwangsläufig stark während seines täglichen Gangs in den Supermarkt, sondern voraussichtlich erst bei größeren Anschaffungen wie zum Beispiel Möbeln. Beispielsweise bei Warensendungen, die auf Paletten transportiert werden, rechnen Branchenexperten mit einem Aufschlag von etwa 10 Prozent.

Andere Wege um Kosten in der Lkw-Logistik zu sparen

Die Logistik wird folglich teurer. Doch eine Überlegung bleibt, die Kosten nicht an den Verbraucher weiterzugeben. Häufig bietet gerade die Lkw-Logistik Einsparpotenziale, die weitläufig noch brachliegen. Unter anderem könnte durch die neue Verschärfung der Maut-Gebühr eine effiziente Routenberechnung der Lkw zunehmend an Bedeutung gewinnen. So gibt es Strecken, die komplett mautpflichtig sind, und andere nicht. Hier könnte eine längere Strecke je nach Routenplanung letztendlich zu geringeren Kosten führen.

Einen weiteren Ansatz könnte eine intelligente Lkw-Zulaufsteuerung bieten, die zwar nicht direkt die Mautkosten beeinflusst, aber generell für mehr Kosteneffizienz in der Lkw-Logistik sorgt. Durch diese könnenStaus im und vor dem Werk verhindert werden. Durch eine dynamische Zeitfensterbuchung und effiziente Lkw-Zulaufsteuerung können unerwartete Störungen in der An- und Auslieferlogistik zeitnah in der Planung berücksichtigt werden. Der intelligent berechnete Lkw-Abfertigungsplan mit den veränderten Bedingungen hilft, Stoßzeiten zu glätten, Durchlaufzeiten zu reduzieren und Staus vor dem Werk und an den Laderampen zu verhindern. Zudem können die Ressourcen in den Werken wie innerbetriebliche Transportmittel oder Rampenmitarbeiter wesentlich effizienter eingesetzt und Kosten eingespart werden.

Fazit

Die Lkw-Maut wird ausgeweitet. Das bedeutet zunächst Kosten für Spediteure und Transporteure. Diese werden voraussichtlich versuchen, sie an Endverbraucher weiterzugeben. Es gibt aber auch die Möglichkeiten, die Kosten an anderer Stelle einzusparen. Beispielsweise bietet eine intelligente Lkw-Zulaufsteuerung in vielen produzierenden Unternehmen noch viel Potenzial, Effizienz zu steigern und Kosten einzusparen, indem Fahrzeuge, Mitarbeiter, Routen und Rampen optimiert geplant und gesteuert werden. Welche genauen Kosten durch die Erweiterung der Maut-Gebührensätze entstehen, kann man derzeit nur erahnen. Es muss nicht unbedingt teuer werden. Denn die Lkw-Logistik umfasst weitere Prozesse mit Potenzial, Kosten zu reduzieren.

Welche Bereiche in der Lieferlogistik kennen Sie, in denen es Möglichkeiten gibt, die Effizienz zu steigern?

 

 



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Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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